Diese seltenen großen, schweren Traubenbütten aus Kupfer dienten nicht zur Weinlese, sondern wurde von Weingärtnern bei Umzügen zu Ehren des Heiligen Urban bis zum Ende des 19. Jahrhundert getragen. Ebenso kamen sie bei Zunftprozessionen der Winzerbruderschaften zum Einsatz, wo die Winzer in ihren jeweiligen Trachten auftraten. Ansonsten hatten die massiv gearbeiteten Gefäße eine repräsentative Funktion im Eingang des Weinguts, es wurde auch Wein daraus ausgeschenkt und sie waren schon damals in der Anschaffung sehr teuer.
Unser ältestes Objekt: Das hohe, schwere Behältnis ist aus 4 Teilen zusammengesetzt und oben und unten mit einem breiten Kordel-Wulstrand verziert. Am oberen Rand ist als Schütte ein Rückenrundschild angenietet. Darauf in der Mitte befindet sich ein getriebenes Medaillon mit der Darstellung von „Josua und Kaleb“ eingerahmt von 2 kleineren Medaillons, die jeweils einen steigenden Greifen zeigen. Wir kennen dieses beliebte religiöse Motiv der „Kundschafter mit der Traube“ von reliefdekorierten Nürnberger Beckenschlägerschüsseln aus Messing (vgl.: Lockner, Abb. 99 und Abb. 133). Interessant ist, dass die Stahlmatrizen, mit denen das Bild in den Gegenstand eingeschlagen wurden, auch im Kupferschmiedehandwerk benutzt wurden – Rotschmiede und Beckenschläger haben also kooperiert. Rückseitig befinden sich angenietete Halterungen mit den originalen Trageriemen.
Diese massiv gearbeitete Bütte entstand im 16. Jahrhundert und ist ein schönes Beispiel für die hohe Handwerkskunst der Nürnberger Kupferschmiede.

